Muss man für bessere sportliche Leistungen abnehmen?

19. Juni 2026

Wenn die Zahl auf der Waage wichtiger wird als die Leistung

Viele Menschen beginnen mit Sport, um fitter, gesünder oder leistungsfähiger zu werden. Gleichzeitig begegnet uns in der Praxis immer wieder die Vorstellung, dass sportlicher Erfolg vor allem mit einem möglichst niedrigen Körpergewicht verbunden sei.

„Wenn ich ein paar Kilo verliere, werde ich bestimmt schneller laufen.“
„Mit weniger Gewicht könnte ich meine Leistung verbessern.“
„Für meinen Sport sollte ich eigentlich noch definierter sein.“

Solche Gedanken sind nicht nur im Leistungs- und Spitzensport verbreitet. Auch viele Hobby- und Freizeitsportler setzen sich unter Druck, ihr Gewicht zu reduzieren, um ihre sportlichen Ziele zu erreichen.

Doch was sagt die Wissenschaft tatsächlich? Verbessert Abnehmen automatisch die sportliche Leistung? Oder birgt dieser Fokus auf die Waage möglicherweise Risiken für Gesundheit, Essverhalten und langfristige Leistungsfähigkeit?

Der folgende Beitrag von Theda Smetkin beleuchtet, warum sportliche Leistung deutlich komplexer ist als eine Zahl auf der Waage – und weshalb ein starker Fokus auf Gewichtsverlust häufig mehr schadet als nützt.

Theda Smetkin ist Gründerin der THES Schwerpunktpraxis für Ernährungstherapie und Sporternährung. Neben der Begleitung von Menschen mit Essstörungen und gestörtem Essverhalten liegt ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit auf der Sporternährung im Hobby- und Leistungssport.

In ihrer täglichen Praxis begleitet sie Menschen, die ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit verbessern möchten, ohne dabei in ungesunde Ernährungs- oder Trainingsmuster zu geraten. Besonders wichtig ist ihr dabei die wissenschaftlich fundierte Vermittlung von Ernährungsthemen sowie ein realistischer und nachhaltiger Umgang mit Körpergewicht, Leistung und Essverhalten.


---


Muss man für bessere sportliche Leistungen abnehmen?

Die kurze Antwort lautet:

Nein.

Zumindest nicht pauschal.

Die Vorstellung, dass weniger Körpergewicht automatisch zu besseren sportlichen Leistungen führt, hält sich hartnäckig. Die wissenschaftliche Datenlage zeigt jedoch ein deutlich differenzierteres Bild.


Leistung hängt nicht vom BMI ab

Wenn über Gewicht im Sport gesprochen wird, fällt häufig der Begriff BMI.

Der BMI wurde ursprünglich entwickelt, um Bevölkerungsgruppen statistisch zu beschreiben. Für die Bewertung sportlicher Leistungsfähigkeit eignet er sich jedoch nur eingeschränkt.

Ein muskulöser Kraftsportler kann einen hohen BMI haben und gleichzeitig körperlich hervorragend trainiert sein. Umgekehrt kann eine Person mit einem niedrigen BMI gesundheitliche Probleme oder eine unzureichende Energieversorgung aufweisen.

Studien zeigen, dass die Körperzusammensetzung deutlich aussagekräftiger ist als das reine Körpergewicht.

Während in Ausdauersportarten häufig ein geringerer Körperfettanteil Vorteile mit sich bringt, profitieren Kraft- und Mannschaftssportarten oft von mehr Muskelmasse. Ein allgemeingültiger „Ideal-BMI“ existiert daher nicht.


Muskelmasse schlägt Gewichtsverlust

Aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen, dass sportliche Leistung stärker von Faktoren wie:

  • Muskelmasse
  • Trainingszustand
  • Energieverfügbarkeit
  • Regeneration
  • sportartspezifischen Anforderungen

abhängt als von einer möglichst niedrigen Zahl auf der Waage.

Selbst im Ausdauersport lässt sich kein klarer Körperfett-Grenzwert identifizieren, ab dem die Leistung automatisch steigt.

Leistung entsteht durch das Zusammenspiel vieler Faktoren – nicht allein durch Gewichtsverlust.


Wenn Abnehmen die Leistung verschlechtert

Besonders deutlich wird dies bei schnellen Gewichtsverlusten.

Vor allem in Kampfsportarten verlieren Athlet häufig innerhalb weniger Tage mehrere Kilogramm Körpergewicht, um bestimmte Gewichtsklassen zu erreichen.

Mehrere aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen, dass solche Strategien häufig mit:

  • verminderter Kraft
  • geringerer Explosivität
  • stärkerer Ermüdung
  • schlechterer Stimmung
  • reduzierter Regeneration

verbunden sind.

Je schneller und stärker das Gewicht reduziert wird, desto größer ist das Risiko für Leistungseinbußen.


Der eigentliche Risikofaktor: Zu wenig Energie

In der Sporternährung wird zunehmend über das sogenannte RED-S-Syndrom gesprochen.

RED-S steht für:

Relative Energy Deficiency in Sport

Gemeint ist eine Situation, in der Sportler dauerhaft weniger Energie aufnehmen, als ihr Körper für Training, Regeneration und grundlegende Körperfunktionen benötigt.

Mögliche Folgen sind:

  • Leistungsabfall
  • erhöhte Verletzungsanfälligkeit
  • hormonelle Störungen
  • Konzentrationsprobleme
  • Müdigkeit
  • geschwächtes Immunsystem

Paradoxerweise kann also gerade der Versuch, leistungsfähiger zu werden, durch zu starkes Kaloriensparen die Leistung verschlechtern.


Auch Hobbysportler sind betroffen

Ein weit verbreiteter Irrtum lautet, dass problematisches Essverhalten nur im Spitzensport vorkomme.

Die Forschung zeigt jedoch etwas anderes.

Aktuelle Untersuchungen belegen, dass auch Freizeit- und Fitnesssportler ein erhöhtes Risiko für gestörtes Essverhalten aufweisen.

Viele Betroffene erleben:

  • Schuldgefühle nach bestimmten Lebensmitteln
  • ständiges Kalorienzählen
  • Angst vor Gewichtszunahme
  • übermäßige Beschäftigung mit „sauberer“ Ernährung
  • Trainingszwang

Besonders auffällig ist, dass viele Menschen diese Verhaltensweisen zunächst als „gesund“ wahrnehmen.


Wann wird gesundes Verhalten ungesund?

Sport und eine bewusste Ernährung können die Gesundheit fördern.

Problematisch wird es dann, wenn sich das gesamte Denken nur noch um:

  • Kalorien
  • Körpergewicht
  • Trainingsumfang
  • Körperfettanteil

dreht.

Aktuelle Studien zeigen, dass Leistungsdruck, gesellschaftliche Schönheitsideale und die ständige Vergleichbarkeit über soziale Medien diesen Prozess zusätzlich verstärken können.

Vor allem Menschen, die Sport ursprünglich aus Freude betreiben, verlieren dadurch häufig den Bezug zu den eigentlichen positiven Aspekten von Bewegung.


Was bedeutet das für die Praxis?

Die aktuelle Forschung liefert eine klare Botschaft:

Für die meisten Hobby- und Freizeitsportler ist eine ausreichende Energiezufuhr wichtiger als möglichst schnell Gewicht zu verlieren.

Statt sich ausschließlich auf die Waage zu konzentrieren, lohnt sich der Blick auf Fragen wie:

  • Bin ich ausreichend versorgt?
  • Unterstützt meine Ernährung mein Training?
  • Erhole ich mich ausreichend?
  • Kann ich meine Leistung langfristig steigern?

Denn sportlicher Fortschritt entsteht nicht durch möglichst wenig Essen, sondern durch eine sinnvolle Kombination aus Training, Regeneration und Ernährung.


Fazit

Die Wissenschaft zeigt deutlich:

Leistung im Sport hängt nicht primär davon ab, möglichst schlank zu sein.

Viel wichtiger sind eine sportartspezifisch sinnvolle Körperzusammensetzung, ausreichend Energie, Regeneration und ein gesundes Essverhalten.

Der weit verbreitete Gedanke „besser werden bedeutet abnehmen“ ist wissenschaftlich nur begrenzt haltbar.

Gleichzeitig kann dieser Fokus auf das Gewicht das Risiko für Diäten, gestörtes Essverhalten, Trainingszwang und Essstörungen erhöhen – und zwar nicht nur im Leistungssport, sondern auch bei Hobby- und Freizeitsportler.

Wer langfristig leistungsfähig bleiben möchte, profitiert meist mehr von einer bedarfsgerechten Ernährung als von einer dauerhaften Gewichtsfixierung.


---


In unserer Praxis erleben wir regelmäßig, dass Sportler ihre Leistung verbessern möchten und dabei den Blick vor allem auf ihr Körpergewicht richten. Dabei wird häufig unterschätzt, wie wichtig eine ausreichende Energieversorgung, Regeneration und ein entspanntes Essverhalten für langfristige Leistungsfähigkeit sind.

Unser Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, Ernährung als Werkzeug für Gesundheit und Leistung zu nutzen – nicht als zusätzliche Belastung.

Wenn Sie Fragen zur Sporternährung, zu Gewichtsmanagement im Sport oder zu einem belastenden Essverhalten haben, begleiten wir Sie gerne im Rahmen einer individuellen Ernährungsberatung oder Ernährungstherapie.


Quellen:


Azmy, M. S. et al. (2023). Untersuchungen zu Körperzusammensetzung und sportlicher Leistungsfähigkeit bei Athlet verschiedener Sportarten.



Albassam, R., Alahmadi, A. K., & Alfawaz, W. (2024). Eating Attitudes and Characteristics of Physical Activity Practitioners and Athletes in Riyadh, Saudi Arabia. Healthcare. https://doi.org/10.3390/healthcare12232439


Chapa, D., Johnson, S. N., Richson, B. N., Bjorlie, K., Won, Y. Q., Nelson, S. V., et al. (2022). Eating-Disorder Psychopathology in Female Athletes and Non-Athletes: A Meta-Analysis. International Journal of Eating Disorders. https://doi.org/10.1002/eat.23748


Ghazzawi, H., Nimer, L. S., Haddad, A., Alhaj, O., Amawi, A., Pandi-Perumal, S., et al. (2024). A Systematic Review, Meta-Analysis, and Meta-Regression of the Prevalence of Self-Reported Disordered Eating and Associated Factors Among Athletes Worldwide. Journal of Eating Disorders. https://doi.org/10.1186/s40337-024-00982-5


Karam, A. et al. (2025). Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Exercise Addiction, Körperbild und Essstörungen bei jungen Freizeitsportler.


Mancine, R., Gusfa, D., Moshrefi, A., & Kennedy, S. (2020). Prevalence of Disordered Eating in Athletes Categorized by Emphasis on Leanness and Activity Type – A Systematic Review. Journal of Eating Disorders. https://doi.org/10.1186/s40337-020-00323-2


Martínez-Aranda, L. M., Sanz-Matesanz, M., & Kollegen (2023). Effects of Different Rapid Weight Loss Strategies and Their Effects on Competition Performance in Combat Sports. International Journal of Environmental Research and Public Health. https://doi.org/10.3390/ijerph20065158


Mathisen, T. F. et al. (2023). Übersichtsarbeit zu Körperzusammensetzung, RED-S und sportlicher Leistungsfähigkeit im Leistungssport.


Rueda-Córdoba, J. G. et al. (2025). Untersuchungen zu sportartspezifischen Körperprofilen und Leistungsdeterminanten im Leistungs- und Ausdauersport.


Silva, A. M. et al. (2018). Forschung zu Körperzusammensetzung, Fettmasse und sportlicher Leistungsfähigkeit.


Smaoui, N. et al. (2024). Untersuchungen zu Essstörungsrisiken, Fitnessmotivation und Gewichtsmanagement bei Sportstudierenden.


Trott, M. et al. (2020). Meta-Analyse zum Zusammenhang zwischen Trainingssucht (Exercise Addiction) und Essstörungen.


Varea, V. et al. (2025). Qualitative Studie zu Körperbild, Essverhalten und Gewichtszufriedenheit bei sogenannten „Everyday Athletes“.


Zhong, Y., Song, Y., Artioli, G., Gee, T. I., French, D. N., Zheng, H., et al. (2024). The Practice of Weight Loss in Combat Sports Athletes: A Systematic Review. Nutrients, 16(7). https://doi.org/10.3390/nu16071050


Hinweis: Die in diesem Artikel dargestellten Erkenntnisse basieren überwiegend auf aktuellen systematischen Reviews, Meta-Analysen und Übersichtsarbeiten. Einzelne Ergebnisse können je nach Sportart, Trainingsniveau und individueller Ausgangssituation variieren.

26. Juni 2026
Gesund essen – oder schon zu gesund?
12. Juni 2026
Süß, aber gesund? Eine Frage, die viele beschäftigt
5. Juni 2026
Kaum ein Nahrungsergänzungsmittel wird so häufig diskutiert wie Omega-3-Fettsäuren. Sie gelten als entzündungshemmend, herzschützend und wichtig für Gehirn und Konzentration. Gleichzeitig sorgen unterschiedliche Empfehlungen und Werbeversprechen häufig für Verunsicherung: Braucht wirklich jeder ein Omega-3-Präparat? Oder lässt sich eine ausreichende Versorgung auch über die Ernährung erreichen? In unserer Praxis erleben wir regelmäßig, dass Menschen Nahrungsergänzungsmittel entweder sehr gezielt einsetzen oder ihnen große Hoffnungen zuschreiben. Umso wichtiger ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse von Marketingversprechen zu unterscheiden und individuelle Bedürfnisse zu berücksichtigen. Der folgende Beitrag von Nico Lenhard beleuchtet die Bedeutung von Omega-3-Fettsäuren, erklärt, wer von einer gezielten Ergänzung profitieren kann und worauf bei der Versorgung geachtet werden sollte. Nico Lenhard ist Teil unseres Teams für Ernährungstherapie und Sporternährung. In seiner Arbeit verbindet er wissenschaftlich fundierte Ernährungsberatung mit einem praxisnahen Blick auf die individuellen Herausforderungen des Alltags. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt auf der evidenzbasierten Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln, Sporternährung und präventiven Ernährungsstrategien. Dabei ist ihm wichtig, aktuelle Forschungsergebnisse verständlich aufzubereiten und gemeinsam mit seinen Patient:innen Lösungen zu entwickeln, die langfristig umsetzbar sind. Statt pauschaler Empfehlungen verfolgt Nico einen individuellen Ansatz: Welche Maßnahmen tatsächlich sinnvoll sind, hängt immer von den persönlichen Lebensumständen, gesundheitlichen Voraussetzungen und den individuellen Zielen ab. Genau diese differenzierte Betrachtung ist auch beim Thema Omega-3-Fettsäuren entscheidend. --- Omega-3-Fettsäuren gehören zu den bekanntesten Nahrungsergänzungen überhaupt. Sie werden häufig in Zusammenhang mit Herzgesundheit, Entzündungshemmung und mentaler Leistungsfähigkeit genannt. Doch brauchen wir sie wirklich als Supplement oder reicht die Ernährung aus? Warum sind Omega-3-Fettsäuren wichtig? Omega-3-Fettsäuren übernehmen wichtige Funktionen im Körper:  Herz-Kreislauf-System: Sie tragen zur normalen Herzfunktion bei und können günstige Effekte auf Blutfettwerte haben  Gehirn & Nervensystem: Docosahexaensäure (DHA) ist ein wichtiger Bestandteil von Gehirn- und Nervenzellen  Entzündungsprozesse: Omega-3-Fettsäuren wirken regulierend auf Entzündungsreaktionen im Körper  Augengesundheit: DHA ist auch Bestandteil der Netzhaut Wer ist besonders gefährdet für eine niedrige Zufuhr?  Menschen, die selten fettreichen Seefisch essen  Vegetarisch oder vegan lebende Personen  Personen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko  Menschen mit chronisch entzündlichen Erkrankungen Wie erkennt man einen möglichen Mangel? Ein klassischer „Mangel“ wird selten eindeutig über Symptome erkannt. Mögliche Hinweise auf eine niedrige Versorgung können trockene Haut, Konzentrationsprobleme, erhöhte Entzündungsneigung oder allgemeine Ermüdung sein. Eine genauere Einschätzung ist über spezielle Blutwerte (z. B. Omega-3-Index) möglich, die die Versorgungssituation objektiver darstellen können. Ist eine Supplementierung sinnvoll? Eine gezielte Supplementierung kann sinnvoll sein, insbesondere bei geringer Fischzufuhr oder erhöhtem Bedarf. Die DGE gibt keine feste tägliche Empfehlung zu Omega-3-Fettsäuren, nennt jedoch einen Orientierungswert von 0,5 % der Energie. In bestimmten Situationen (z. B. erhöhte Triglyzeridwerte) können auch höhere Dosierungen unter fachlicher Begleitung eingesetzt werden. Wichtig ist: Nicht jede Person benötigt automatisch ein Präparat. Eine hohe Zufuhr ohne Bedarf bringt keinen zusätzlichen Nutzen und sollte individuell abgewogen werden. Praxis-Tipp Omega-3-Fettsäuren sind kein „Wundermittel“, aber ein wichtiger Baustein in der Ernährung. Besonders bei geringer Fischzufuhr kann eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein. Praktisch hilfreich ist es, zuerst die eigene Ernährung zu prüfen: Wird regelmäßig fettreicher Fisch wie Lachs, Makrele oder Hering gegessen? Falls nicht, kann eine Supplementierung eine einfache Möglichkeit sein, die Versorgung zu verbessern. Eine individuelle Einschätzung - idealerweise auch über Laborwertehilft - hilft dabei, die passende Strategie zu wählen. Quellen: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Omega-3-Fettsäuren: Wichtig – aber in Maßen. https://www.bfr.bund.de/fragen-und-antworten/thema/omega-3-fettsaeuren-wichtig-aber-in- massen/ Calder, P. C. (2017). Omega-3 fatty acids and inflammatory processes: from molecules to man. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Fett, essenzielle Fettsäuren. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/fett-essenzielle-fettsaeuren/ Mozaffarian, D. & Wu, J. H. Y. (2011). Omega-3 fatty acids and cardiovascular disease effects: evidence from randomized trials. Nichols, P. D. et al. (2014). Omega-3 fatty acids and brain function: implications for nutrition and health. --- Omega-3-Fettsäuren sind ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig eine individuelle Betrachtung in der Ernährungstherapie ist. Obwohl sie zahlreiche wichtige Funktionen im Körper erfüllen, lässt sich die Frage nach einer Supplementierung nicht pauschal beantworten. In unserer Praxis orientieren wir uns deshalb nicht an Trends oder allgemeinen Empfehlungen, sondern an der persönlichen Situation unserer Patient:innen. Ernährungsgewohnheiten, gesundheitliche Ziele, Laborwerte und individuelle Risiken spielen dabei eine wichtige Rolle. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren ausreichend ist oder ob eine Nahrungsergänzung für Sie sinnvoll sein könnte, beraten wir Sie gerne individuell und wissenschaftlich fundiert. Denn eine gute Ernährung beginnt nicht mit möglichst vielen Supplementen – sondern mit den richtigen Entscheidungen für die eigene Gesundheit.
29. Mai 2026
Viele Sportler:innen investieren viel Zeit in ihr Training, ihre Technik und ihre Wettkampfvorbereitung. Doch eine wichtige Phase wird dabei häufig unterschätzt: die Zeit nach der Belastung. Ob intensive Trainingseinheit, Wettkampf oder Turniertag – der Körper arbeitet auch dann weiter, wenn die sportliche Leistung bereits erbracht ist. Energiespeicher müssen wieder aufgefüllt, Muskelstrukturen repariert und Flüssigkeitsverluste ausgeglichen werden. Genau in dieser Phase werden wichtige Grundlagen für die nächste Trainingseinheit, die langfristige Leistungsentwicklung und die Gesundheit geschaffen. Dennoch begegnen mir in der Praxis immer wieder Sportler:innen, die zwar großen Wert auf ihre Ernährung vor dem Training legen, der Regeneration danach jedoch deutlich weniger Aufmerksamkeit schenken. Dabei zeigen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, dass gezielte Ernährungsstrategien nach Belastungen einen entscheidenden Beitrag zur Erholung und Leistungsfähigkeit leisten können. Der folgende Beitrag von Theda Smetkin zeigt auf, welche Rolle Kohlenhydrate, Protein, Flüssigkeit und weitere Ernährungsfaktoren für die Regeneration spielen und wie sich diese Erkenntnisse einfach in den sportlichen Alltag integrieren lassen. Theda Smetkin ist Gründerin der THES Schwerpunktpraxis für Ernährungstherapie und Sporternährung „Der Ernährungsraum“ sowie spezialisiert auf die Begleitung von Leistungs- und Freizeitsportler:innen in den Bereichen Sporternährung, Regeneration und Leistungsoptimierung. In ihrer Arbeit verbindet sie aktuelle ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse mit langjähriger Praxiserfahrung in der Betreuung von Sportler:innen unterschiedlichster Leistungsniveaus. Neben der individuellen Ernährungsberatung und Ernährungstherapie begleitet sie Athlet:innen dabei, Ernährung gezielt als Bestandteil ihrer Trainings- und Wettkampfstrategie einzusetzen. Als Ernährungsexpertin im professionellen Leistungssport betreut sie seit 2022 Athlet:innen bei Eintracht Frankfurt und unterstützt diese unter anderem bei Themen wie Wettkampfvorbereitung, Regeneration, Energieverfügbarkeit und Verletzungsprävention. Darüber hinaus bringt sie eigene Erfahrungen aus dem Leistungssport mit: Als mehrfache Deutsche Meisterin im Standardtanz kennt sie die Anforderungen intensiver Trainings- und Wettkampfphasen nicht nur aus wissenschaftlicher, sondern auch aus persönlicher Perspektive. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Übersetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in alltagstaugliche und individuell umsetzbare Strategien. Gerade im Bereich der Regeneration zeigt sich immer wieder, dass oft nicht einzelne Nahrungsergänzungsmittel oder Trends den Unterschied machen, sondern die konsequente Umsetzung der grundlegenden Bausteine einer bedarfsgerechten Sporternährung. --- Warum Ernährung nach Belastungen so wichtig ist Während intensiver Trainings- oder Wettkampfphasen werden die Kohlenhydratspeicher (Glykogen) in Muskulatur und Leber geleert, Muskelstrukturen belastet und Flüssigkeit sowie Elektrolyte über den Schweiß verloren. Die Ernährung nach der Belastung verfolgt deshalb drei Hauptziele: Energiespeicher wieder auffüllen Muskelgewebe reparieren und anpassen Flüssigkeits- und Elektrolytverluste ausgleichen Wer diese Prozesse unterstützt, kann Ermüdung reduzieren, die Trainingsqualität verbessern und das Risiko für Überlastungsbeschwerden senken (Close et al., 2022). Kohlenhydrate: Der wichtigste Schritt für die Energiespeicher Nach intensiven Belastungen steht zunächst die Wiederauffüllung der Glykogenspeicher im Vordergrund. Besonders wichtig wird dies, wenn innerhalb von 24 Stunden eine weitere Trainingseinheit oder ein Wettkampf ansteht. Mehrere aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen, dass die ersten Stunden nach der Belastung besonders effektiv für die Glykogensynthese genutzt werden können. Deshalb profitieren Sportler:innen häufig davon, zeitnah Kohlenhydrate zuzuführen (Kerksick et al., 2022; Baranauskas et al., 2023). Geeignete Beispiele sind: Obst und Fruchtsäfte Brot oder Brötchen Reis, Kartoffeln oder Pasta Müsliriegel Milchmischgetränke Entscheidend ist dabei nicht die „perfekte Mahlzeit“, sondern dass überhaupt ausreichend Energie zugeführt wird. Protein: Baustoff für die Muskulatur Neben Kohlenhydraten spielt Protein eine entscheidende Rolle für die Regeneration. Belastungen verursachen kleine strukturelle Schäden in der Muskulatur, die während der Erholungsphase repariert werden. Aktuelle wissenschaftliche Arbeiten empfehlen eine zeitnahe Zufuhr hochwertiger Proteinquellen nach dem Training sowie eine gleichmäßige Verteilung über den Tag. Besonders wirksam erscheinen Portionen von etwa 20–30 g hochwertigem Protein pro Mahlzeit (Morton et al., 2023; Kerksick et al., 2022). Geeignete Lebensmittel sind: Milchprodukte Eier Fisch Fleisch Tofu Sojaprodukte Hülsenfrüchte Auch ein proteinreicher Abend-Snack kann die nächtliche Muskelregeneration unterstützen. Flüssigkeit und Elektrolyte nicht vergessen Schon geringe Flüssigkeitsverluste können die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Nach längeren oder schweißtreibenden Belastungen reicht Wasser allein häufig nicht aus. Aktuelle Empfehlungen raten dazu, Flüssigkeitsverluste gezielt auszugleichen und gleichzeitig Natrium zuzuführen, um die Flüssigkeit besser im Körper zu halten (Shirreffs & Sawka, 2021; Kerksick et al., 2022). Praktisch bedeutet das: regelmäßig trinken salzhaltige Lebensmittel einbauen bei langen Belastungen auch Elektrolytgetränke nutzen Eine einfache Orientierung kann das Körpergewicht vor und nach dem Training liefern. Funktionelle Lebensmittel für die Regeneration In den letzten Jahren wurden verschiedene Lebensmittel auf ihre mögliche Wirkung auf Muskelkater, Entzündungen und Regeneration untersucht. Besonders interessant erscheinen: Sauerkirschsaft Mehrere Studien zeigen, dass Sauerkirschsaft die subjektive Muskelkaterwahrnehmung reduzieren und die Regeneration nach intensiven Belastungen unterstützen kann (Vitale et al., 2022). Omega-3-Fettsäuren Omega-3-Fettsäuren können entzündungsregulierende Prozesse unterstützen und möglicherweise die Erholung nach intensiven Trainingsphasen verbessern (Da Boit et al., 2023). Polyphenolreiche Lebensmittel Beeren, Granatapfel, dunkle Trauben oder Kakao liefern sekundäre Pflanzenstoffe, die oxidativen Stress nach Belastungen reduzieren können (Baranauskas et al., 2023). Das 4R-Prinzip der Regeneration Viele Sporternährungswissenschaftler:innen fassen erfolgreiche Regeneration heute im sogenannten 4R-Modell zusammen: Rehydrate – Flüssigkeit und Elektrolyte ersetzen Refuel – Kohlenhydratspeicher auffüllen Repair – Muskelreparatur durch Protein unterstützen Rest – ausreichend Schlaf und Erholung ermöglichen Gerade der letzte Punkt wird häufig unterschätzt. Selbst die beste Ernährung kann fehlenden Schlaf nur begrenzt ausgleichen. Fazit Die Regeneration nach Training und Wettkampf beginnt bereits in den ersten Stunden nach der Belastung. Für die meisten Sportler:innen stehen dabei vier Faktoren im Vordergrund: ausreichend Kohlenhydrate, hochwertiges Protein, eine gezielte Flüssigkeitszufuhr und genügend Schlaf. Wer diese Grundlagen konsequent umsetzt, schafft die besten Voraussetzungen, um sich schneller zu erholen, die Trainingsqualität zu steigern und langfristig leistungsfähig zu bleiben. Häufig sind es nicht einzelne Nahrungsergänzungsmittel, sondern die konsequente Umsetzung dieser Basismaßnahmen, die den größten Unterschied machen. --- Regeneration ist trainierbar Die Zeit nach dem Training oder Wettkampf wird häufig als passive Erholungsphase betrachtet. Tatsächlich ist sie jedoch ein aktiver Bestandteil der Leistungsentwicklung. In dieser Phase entscheidet der Körper, wie gut er sich an Belastungen anpasst, Energiespeicher wieder auffüllt und Strukturen repariert. Dabei müssen Regenerationsstrategien nicht kompliziert sein. Oft sind es die grundlegenden Maßnahmen – ausreichend trinken, Kohlenhydrate und Protein zeitnah zuführen, regelmäßige Mahlzeiten einplanen und auf ausreichenden Schlaf achten –, die langfristig den größten Unterschied machen. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass Regeneration immer individuell betrachtet werden sollte. Trainingsumfang, Wettkampfdichte, Sportart, Alltag, Verträglichkeiten und persönliche Ziele beeinflussen den tatsächlichen Bedarf erheblich. Was für eine Marathonläuferin sinnvoll ist, muss nicht automatisch für einen Tänzer, eine Schwimmerin oder einen Kraftsportler passen. Wer seine Ernährung gezielt an die Anforderungen seines Sports anpasst, unterstützt nicht nur die Erholung, sondern schafft wichtige Voraussetzungen für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und langfristige Belastbarkeit. Wenn Sie Fragen zur Sporternährung, Regeneration oder individuellen Ernährungsstrategien haben, beraten wir Sie gerne in unserer Praxis. Quellenverzeichnis: Baranauskas, M. N., Kupčiūnaitė, N., Stukas, R., & Tubelis, L. (2023). Nutritional Strategies for Recovery after Training and Competition in Athletes: A Systematic Review. Nutrients, 15(18), 3902. Close, G. L., Sale, C., Baar, K., & Bermon, S. (2022). Nutrition for the Prevention and Treatment of Injuries in Track and Field Athletes. International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism, 32(3), 189–197. Da Boit, M., Sibson, R., Sivasubramaniam, S., & Gray, S. R. (2023). The Effect of Omega-3 Polyunsaturated Fatty Acid Supplementation on Exercise-Induced Muscle Damage and Recovery: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients, 15(7). Kerksick, C. M., Arent, S., Schoenfeld, B. J., Stout, J. R., Campbell, B., Wilborn, C. D., Taylor, L., Kalman, D., Smith-Ryan, A., Kreider, R. B., Jäger, R., Willoughby, D., Greenwood, M., & Antonio, J. (2022). International Society of Sports Nutrition Position Stand: Nutrient Timing. Journal of the International Society of Sports Nutrition, 19(1). Morton, R. W., Murphy, K. T., McKellar, S. R., Schoenfeld, B. J., Henselmans, M., Helms, E., Aragon, A. A., Devries, M. C., Banfield, L., Krieger, J. W., & Phillips, S. M. (2023). Protein Supplementation to Support Recovery and Adaptation in Athletes: Current Evidence and Practical Applications. Sports Medicine, 53(Suppl 1). Shirreffs, S. M., & Sawka, M. N. (2021). Fluid and Electrolyte Needs for Training, Competition, and Recovery. Journal of Sports Sciences, 39(S1), 39–46. Vitale, K. C., Hueglin, S., & Broad, E. (2022). Tart Cherry Juice in Athletes: A Review of Current Evidence and Practical Applications. Nutrients, 14(4).
15. Mai 2026
Stillen ist ein sensibles und oft emotionales Thema
9. Mai 2026
Bauchfett verstehen: Warum es nicht nur um Ernährung und Bewegung geht
1. Mai 2026
Warum pauschale Ernährungsempfehlungen oft nicht ausreichen